Interview mit Jim Sullivan, einem Ex-Best Ager Model über den späten Einstieg in die Modebranche, Schönheitsideale und die Zukunft der Modeindustrie
- Team Fira

- 9. Apr. 2024
- 2 Min. Lesezeit

In einer Welt, in der Jugend oft als Synonym für Schönheit und Erfolg gilt, bricht eine wachsende Zahl von “Silberfüchsen” mit viel Selbstbewusstsein und Lebenserfahrung diese Stereotypen auf. Einer von ihnen ist Jim Sullivan, der die Modewelt erst jenseits der magischen 65 für sich entdeckte und damit beweist: Für Leidenschaft und neue Karrieren gibt es kein Verfallsdatum. Seine Geschichte spricht nicht nur für die späten Erfolge im Leben, sondern auch als lebendiger Beweis dafür, dass die Modeindustrie beginnt, Schönheit in der Vielfalt des Alters zu erkennen. In diesem Einblick erfahren Sie, wie er vom digitalen Kreativstudio vor die Kamera kam und wie sich die Standards von Schönheit und Alter in der Branche wandeln. Silber ist schließlich nicht nur eine Haarfarbe, sondern ein Symbol für eine glänzende zweite Karriere…
Wann und aus welchem Grund haben Sie sich dazu entschlossen, erst im fortgeschrittenen Alter Model zu werden?
Sullivan: Nachdem ich viele Jahre in einem digitalen Kreativstudio gearbeitet hatte, begann ich, nebenbei als Statist zu arbeiten. Es war eine unterhaltsame Abwechslung, und ich gewann Einblicke in die Arbeit vor der Kamera, was mich reizte. Die Tätigkeit war zwar einfach, zeitweise sogar ein wenig eintönig, da ich häufig auf meinen Einsatz warten musste. Ich musste oft früh vor Ort sein und beobachtete dann, wie die Models nach und nach eintrafen. Während ich ihnen beim Shooting zusah, kam mir der Gedanke, dass ich das auch könnte. Daraufhin organisierte ich ein Fotoshooting mit einem professionellen Fotografen in Zürich und suchte anschließend mit den Fotos eine Modelagentur auf. Dort sah man mein Talent und meine fotogene Ausstrahlung und entschied, mir eine Chance zu geben. Ich erhielt in den folgenden Monaten drei Aufträge, was meine Begeisterung weckte. Ich bewarb mich bei weiteren dreißig Agenturen in ganz Europa. Die Resonanz war überwältigend positiv, und als Best Ager – ein Begriff, den ich für mich in Anspruch nahm und der damals noch neu war – erhielt ich zahlreiche Aufträge. Ich reiste durch viele Teile Europas und genoss Reisen, Abenteuer und Herausforderungen.
Wie sehen Sie die Veränderung der Schönheits- und Altersstandards in Ihrer Branche?
Sullivan: Die Veränderungen sind subtil, aber vorhanden. Während die Frauen weiterhin als attraktiv gelten, findet man bei den Männern eine größere Vielfalt. Es wird weniger Wert auf konventionelle Schöheitsideale gelegt und mehr auf Charakter und Ausstrahlung, besonders bei uns älteren Modellen.
Bemerken Sie einen Wandel bei großen Marken in Bezug auf die Auswahl ihrer Models?
Sullivan: Tatsächlich ist eine Verschiebung zu bemerken, allerdings eher in Richtung Animation und künstlicher Intelligenz, weg von menschlichen Models. Dieser Trend ist kostengünstiger für die Werbeindustrie. Persönlich habe ich das Glück, dass ich nie in eine peinliche Rolle gedrängt wurde. Es scheint, dass die Seriosität in Werbespots nachlässt, allerdings variiert dies stark von Land zu Land.
Wie prognostizieren Sie die Entwicklung des Alters- und Schönheitsbildes in den nächsten zehn Jahren?
Sullivan: Wir alle altern scheinbar rückwärts, dank besserer Lebensmittelqualität, exzellenter medizinischer Versorgung und guter Ratschläge zu Bewegung und Lebensweise. Sport wird bereits in jungen Jahren zu einem festen Bestandteil unseres Lebens und begleitet uns bis in die Pensionierung. Unsere Muskeln bleiben uns, einmal aufgebaut, bis ins hohe Alter erhalten. Was die Schönheit betrifft, so trägt die chemische Industrie sowohl positive als auch negative Aspekte bei. Ich bin optimistisch, dass das Bild des Alters in der Gesellschaft sich weiterhin zum Positiven wandeln wird.

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